09.09.2026

Körperbild und Behinderung: Der Blick auf sich selbst

wei Menschen betrachten gemeinsam Schafe auf einer grünen Weide

Wie man den eigenen Körper erlebt, ist für die meisten Menschen kein einfaches Thema. Eine aktuelle Befragung von Behandlerinnen und Behandlern in Deutschland zeigt: Bei rund drei Viertel ihrer Patientinnen und Patienten spielt problematischer Umgang mit dem Körperbild eine Rolle. Social Media verstärkt das. Schönheitsideale, die in keiner Beziehung zur Realität stehen, sind rund um die Uhr verfügbar. Und der Vergleich mit anderen passiert automatisch, ohne dass man es will.

Für Menschen mit Behinderungen kommt zu all dem noch eine weitere Ebene dazu. Eine, über die selten offen gesprochen wird.

Behinderung und Körperbild: eine besondere Verbindung

Körperbild ist nicht nur, wie man aussieht. Es ist, wie man den eigenen Körper erlebt. Wie vertraut man mit ihm ist. Ob man das Gefühl hat, er gehört einem. Ob man ihn als Freund oder Feind erlebt.

Bei Menschen mit körperlichen Behinderungen kann dieses Erleben besonders komplex sein. Der Körper macht Dinge, die man nicht kontrollieren kann. Er funktioniert anders, als man es sich wünscht. Er ist sichtbar verschieden von dem, was die Gesellschaft als normal zeigt. Und er ist oft Gegenstand von Blicken, Fragen, Kommentaren anderer Menschen, die man sich nicht ausgesucht hat.

Das prägt. Wie man sich selbst sieht, wie man sich in der Welt bewegt, ob man Fotos von sich zulässt, ob man auf Reisen mitkommt, ob man neue Situationen wagt oder lieber meidet.

Der Blick der anderen: eine unterschätzte Last

Es ist kein Geheimnis, dass Menschen mit Behinderungen oft angestarrt werden. Nicht böse gemeint, meistens. Aber trotzdem unangenehm. Und auf Dauer belastend. Der Körper wird zum Objekt der Aufmerksamkeit anderer, lange bevor er als Person wahrgenommen wird.

Wie das wirkt und was der Blick der anderen wirklich bedeutet, beschreiben wir in unserem Artikel Wenn der Blick der anderen mehr wiegt als die eigene Behinderung. Was dabei passiert, ist nicht nur ein gefühltes Problem. Es hat reale Auswirkungen darauf, wie sicher oder unsicher man sich in der Welt bewegt.

Einen guten Umgang mit dem eigenen Körper finden

Es gibt keine schnelle Antwort auf diese Frage. Aber es gibt Richtungen. Eine davon ist: den Körper in Bewegung erleben. Nicht im Sinne von Sport als Leistung, sondern im Sinne von: den eigenen Körper tun sehen, was er kann. Im Wasser. Auf einem Weg. In einer anderen Umgebung. Das verschiebt manchmal den Fokus von dem, was der Körper nicht kann, zu dem, was er tut.

Eine andere Richtung: Umgebungen aufsuchen, in denen der eigene Körper nicht das Auffälligste im Raum ist. In denen verschiedene Körper selbstverständlich sind. In denen man nicht erklärt und nicht bewertet wird. Solche Umgebungen sind selten. Aber es gibt sie.

Reisen als Möglichkeit, sich neu zu erleben

Reisen kann für das Körperbild überraschend hilfreich sein. Nicht weil der Körper auf Reisen anders ist. Sondern weil die Umgebung anders ist. Weil man aus dem gewohnten Kontext heraus ist, aus den Blicken, die man schon kennt, aus den Situationen, in denen man immer wieder dieselbe Rolle einnimmt.

An einem neuen Ort, mit neuen Menschen, in einer anderen Stimmung kann sich manchmal etwas entspannen. Man erlebt sich selbst anders. Man merkt, dass der Körper Dinge kann, die man im Alltag gar nicht ausprobiert. Man merkt, dass er trägt und trägt und trägt, auch wenn man ihm das manchmal nicht zugetraut hätte.

Was fremde Orte mit uns machen und warum Reisen so besonderer Boden für neue Erfahrungen sind, beschreiben wir in Warum fremde Orte uns anders begegnen lassen als der Alltag.

Selbstakzeptanz: kein Dauergefühl, sondern eine Haltung

Selbstakzeptanz bedeutet nicht, den eigenen Körper immer toll zu finden. Es bedeutet nicht, keine schlechten Tage zu haben. Es bedeutet nicht, nie mit dem Vergleich zu kämpfen oder nie das Gefühl zu haben, dass man sich etwas wünschen würde, das anders ist.

Selbstakzeptanz bedeutet: trotzdem da sein. Den eigenen Körper trotzdem als den eigenen erleben. Ihm trotzdem etwas gönnen. Eine Reise. Eine gute Mahlzeit. Einen Moment, in dem man ihn einfach sein lässt, was er ist.

Wenn du dich mit jemandem darüber austauschen möchtest oder mehr über unsere Angebote erfahren willst, meld dich gerne über Kontakt.

Über Sabine Koch

Sabine Koch ist Gründerin, Geschäftsführerin und Leiterin des ambulanten Dienstes – drei Rollen, die bei ihr keine getrennten Kapitel sind, sondern ein einziger Antrieb.