03.07.2026

Begleitung im Studium: Wie Selbstständigkeit trotz Assistenzbedarf gelingt

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Eine junge Frau mit einer Muskelerkrankung erzählt, wie sie ihr Studium gemeistert hat, mit einer Assistenz an ihrer Seite. Ihre Erfahrungen zeigen, worauf es bei guter Begleitung wirklich ankommt und was Selbstständigkeit für Menschen mit Behinderung bedeutet.

Warum eine Assistenz gebraucht wird

Als sie mit dem Studium begann, zog sie gleichzeitig zum ersten Mal von zu Hause aus. Wegen ihrer Muskelerkrankung braucht sie bei fast allem im Alltag Unterstützung, vom Brot schmieren bis zum Laptop aufstellen. Deshalb war für sie klar: Sie brauchte eine durchgehende Assistenz, die auch den Uni-Alltag mit abdeckte. Die Assistenzpersonen begleiteten sie also direkt zu den Vorlesungen.

Was die Begleitung im Studienalltag geleistet hat

Im Hörsaal reichte die Assistenz Laptop oder Schreibblock, half beim Trinken und war bei Ausflügen dabei. Bei praktischen Kursen, etwa mit Kamera-Arbeit, übernahm die Assistenz die Handgriffe, die selbst nicht möglich waren, immer nach genauer Anleitung.

Die Assistenzpersonen kamen aus ganz unterschiedlichen Lebenssituationen: manche im Freiwilligendienst, andere mit ganz anderem beruflichem Hintergrund, wieder andere Mitstudierende, die sich etwas dazuverdienen wollten. Eine bunte Mischung an Menschen, die alle die gleiche Aufgabe hatten: verlässlich da zu sein.

Was bei guter Begleitung besonders wichtig ist

Präsenz ja, aber auch die Fähigkeit, sich zurückzunehmen. Die Assistenz sollte im Studium unterstützen und nicht selbst am Unterricht teilnehmen. Wichtig war außerdem Diskretion: Was im Uni-Alltag passiert, sollte auch dort bleiben.

Auf die Frage, ob nicht auch Mitstudierende hätten helfen können, war die Antwort klar: Selbstständigkeit war das Ziel, nicht andere ständig um Hilfe bitten zu müssen. Eine bezahlte Assistenz nimmt diesen Druck, weil man kein schlechtes Gewissen haben muss.

Daten, Zahlen, Fakten

Rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland sind im Alltag auf einen Rollstuhl angewiesen. Trotzdem erleben viele von ihnen weiterhin Diskriminierung. Anfragen zu Diskriminierung aufgrund von Behinderung oder chronischer Erkrankung gehören zu den häufigsten Fällen, die bei Antidiskriminierungsstellen gemeldet werden.

Was im Alltag wirklich hilft

Hilfe anzubieten ist immer richtig, sie aber auch akzeptieren zu können, wenn sie abgelehnt wird. Ungefragt einzugreifen wirkt dagegen schnell bevormundend. Genauso wichtig: Menschen mit Behinderung direkt ansprechen und nicht nur über die Begleitung mit ihnen kommunizieren.

Wünsche an das Bildungssystem

Es gibt noch viel zu tun, damit Inklusion gelingt. Wenn Menschen mit unterschiedlichsten Voraussetzungen von klein auf zusammen spielen und lernen, wird Vielfalt für sie zur Normalität. Das ist eine wichtige Grundlage für eine Gesellschaft, in der Teilhabe selbstverständlich ist, egal ob im Bildungsalltag, im Beruf oder auf Urlaubsreisen.

Auch baulich braucht es an vielen orten noch Verbesserungen, damit Bildungsnehmende mit körperlicher Behinderung gleichberechtigt teilnehmen können. Wer eine Regelschule besuchen kann, hat später oft bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Kinder gehen unbefangen mit Behinderung um

Eine kleine Begebenheit vom Spielplatz zeigt, wie natürlich Kinder mit Behinderung umgehen können, wenn sie früh genug damit in Berührung kommen. Ein Kind erklärte den anderen kurz und knapp, warum jemand im Rollstuhl sitzt, und schon ging das Spiel weiter. Für Erwachsene, die selten mit Menschen mit Behinderung zu tun hatten, ist diese Selbstverständlichkeit oft schwerer zu erreichen.

Begleitung als Baustein für echte Teilhabe

Selbstständigkeit ist für Menschen ohne Behinderung meist selbstverständlich. Für Menschen mit Behinderung sollte das genauso gelten. Begleitdienste, die Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Behinderung im Bildungsalltag unterstützen, tragen genau dazu bei: dass Betroffene ihren Alltag mit größtmöglicher Selbstständigkeit meistern können, egal ob im Kindergarten, in der Schule oder im Studium.

Quelle: malteser.de

Über Sabine Koch

Sabine Koch ist Gründerin, Geschäftsführerin und Leiterin des ambulanten Dienstes – drei Rollen, die bei ihr keine getrennten Kapitel sind, sondern ein einziger Antrieb.